Eigener Jazz, Folk und Pop zwischen Europa und Asien

 

„Für mich ist wichtig, Jazz-Grenzen zu überwinden und auch die Grenzen von Nationalitäten zu überschreiten“, erklärt Valeria Maurer. Es gehe ihr darum, Kulturen und verschiedenen Klangwelten zu verbinden. Die Kompositionen der Sängerin, die in Kasachstan geboren und in Sibirien aufgewachsen ist, sind zwar grob unter der Stilistik Jazz zu finden, allerdings verwoben mit Folk, Pop und orientalischen Einflüssen.

 

Musikalische Brücken bauen

Die Texte – größtenteils auf Englisch und Russisch – sind durch Gedichte und Gemälde inspiriert, sie erzählen bildhafte Geschichten. Die Stilistik ist ein Mittel zum Zweck: „Ich möchte in die jeweilige Geschichte eintauchen und schauen, was dahintersteckt.“ Ähnliche Qualitäten schätzt sie bei ihren Vorbildern, darunter Sting. „Mich hat seine stilistische Offenheit, die Kombination von Instrumenten und die dennoch klaren und eingängigen Melodien immer inspiriert“, erklärt die Musikerin. Ihre Stücke klingen immer zugänglich, trotz komplexer harmonischer Elemente. Für Valeria Maurer spielt der emotionale Zugang eine wichtige Rolle: „Eine junge Journalistin meinte nach einem Konzert begeistert zu mir, dass es für sie kein Jazz ist – weil man den üblichen Jazz erst verstehen lernen muss!“ 

 

Vom „traditionellen“ Jazz zum eigenen Stilmix – samt orientalischen Einflüssen

Ursprünglich studierte Maurer Jazz in ihrer Heimatstadt Novosibirsk. „Meine Eltern waren professionelle Klassik-Musiker. Sie gaben ihren Beruf in den 1990er Jahren auf, weil sich davon zu der Zeit in Russland nicht leben ließ.“ Musik blieb ein zentraler Bestandteil, Valeria Maurer entdeckte Klavier und Gesang für sich. „Im Music College in Russland standen die amerikanischen Jazz-Standards im Vordergrund.“ Bereits damals war sie musikalisch über den Jazz hinaus unterwegs, und trat mit einem Tango-Projekt auf, das sie auf internationale Festivals führte. Zudem sang Maurer in der russischen Premiere von Leonard Bersteins „Mass“ an der Oper in Novosibirsk. 

 

2013 kam sie nach Deutschland, wo ein Teil ihrer internationalen Familie wohnt. Maurer studierte Jazz-Pop Gesang an der Mannheimer Musikhochschule. „In Deutschland bestanden im Studium mehr Freiheiten, um mich selbst künstlerisch auszudrücken – statt nur meine Version von Billie Holiday in mir zu zeigen", meint sie lachend. „Mich interessierte auch World Music, mit arabischen und indischen Einflüssen.“ Sie belegte Kurse an einer orientalischen Musikakademie in Mannheim, spielte mit Musikern aus Syrien und Indien. „Das hat mich tief beeindruckt.“

 

Atmosphären zwischen Tag und Nacht

Mit ihren Kollegen im Quartett – Pianist Konrad Hinsken, Lukas Hatzis am Kontrabass und Schlagzeuger Julian Losigkeit – hat die Sängerin teilweise bereits seit ihrer Ankunft in Deutschland gespielt, bislang allerdings Jazz-Standards und jazzige Arrangements von folkloristischen Stücken. 

 

Die eigenen, durch Gedichte inspirierten Stücke stellen nun neue Klangwelten dar. „Viele der Songs enthalten eine hellere, zugängliche, tänzerische Seite – dazu eine dunklere, schwermütigere, tiefsinnigere Seite der Musik.“ Einzelne Stücke sind Groove-lastig, Pop-orientiert, andere wirken nachdenklich, loten Zwischentöne aus. In einer Gedichtvertonung über Armenien sind orientalische Skalen enthalten – das Ergebnis klingt unverbraucht und ausgereift. Auch ein Lied auf Ukrainisch befindet sich schon lange im Repertoire – und unterstreicht die weltoffene und gemeinschaftliche Haltung der Sängerin. 

 

Auftritte in Jazz-Clubs, auf Kulturfestivals und Solidaritätsveranstaltungen

Das Valeria Maurer Quartett tritt etwa in Jazzclubs und bei Kulturfestivals auf. Kürzlich wurden sie zur Club-Night bei der internationalen Jazz-Messe „Jazzahead“ in Bremen eingeladen, auch spezielle Bühnen wie Cinema Paradiso & ARTE in Ludwigshafen standen bisher auf dem Programm – ebenso wie Solidaritätsveranstaltungen für die Ukraine. „Ich will die Menschen im Publikum einen“, erklärt Valeria Maurer ihre eigene musikalische Motivation. Und auch, wenn es nach einem Klischee klingen mag: „Musik kann uns in eine gemeinsame, bessere Welt mitnehmen.“ Und was könnte das besser leisten, als tiefgründige, lebendige Stücke, die neugierig machen?

 

Saskia Rienth und Nicolay Ketterer im Gespräch mit Valeria Maurer, im Juni 2022

Text: Nicolay Ketterer

Auftrittsreferenzen

 

Festival “Jazzin´the Black Forest”, Jazz Club Villingen

JAZZAHEAD Clubnight, Bremen

Kultursommer Rheinland-Pfalz 

Jazzkeller Frankfurt

Jazzclub Tübingen

Jazz Philharmonie, Sankt-Peterburg, Russia

Novosibirsker Philharmoie, Russia

Alte Feuerwache Mannheim

Ella & Louis, Mannheim

"Jazz am Neckar", Heidelberg
Festival "Heidelberger Frühling", Heidelberg
Pianohaus Trübger, Hamburg

Kolosseum, Lübeck
Festival „Jazz am Rhein“, Ludwigshafen
„Jazz auf dem Berg“, Konstanz
Jazz-Art Festival, Schwäbisch Hall

Nationaltheater Mannheim

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Musikstudium

  • Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim -

Bachelor of Music Jazz/Pop Gesang (2018)
Master of Music Jazz/Pop Gesang (2021)

  • Orientalischen Musikakademie Mannheim

Lehrgang „Klassische indische Musik im Dialog mit westlichen Musikstilen“ (2019)

  • Music College "A.F.Murow” in Novosibirsk, Russland

Jazz Gesang, Gesangspädagogik (2012)